Gastbeitrag #1 – Angst und schreiben von Sarah Phoenix

Clara saß am Schreibtisch und starrte auf den Bildschirm ihres Computers. Sie hatte ein neues Dokument des Schreibprogramms geöffnet und wollte die ersten Zeilen ihres neuen Buches schreiben. Als Autorin saß ihr stets die Zeit im Nacken, da sie ja Bücher verkaufen musste, um davon leben zu können. Zwei Bücher hatte sie bislang erfolgreich verkauft. Natürlich waren es keine Bestseller, aber dennoch hatte sie sich eine kleine, aber feine Leserschaft aufgebaut. Diesmal hatte sie einen Roman mit mehr Lovestory im Kopf, da sie sich erhoffte, dass der sich noch besser verkaufen würde. 

Clara seufzte. Sie hatte noch nie eine Liebesgeschichte geschrieben und schon gar keine erotischen Szenen. Aber bis sie zu diesem Punkt in ihrer Geschichte kommen würde, hatte sie sich mit dem Gedanken bestimmt angefreundet. Nun musste zunächst der erste Satz zu Papier gebracht werden. 

Wie jeder Leser und auch jeder Autor wissen, muss der erste Satz prägnant sein und zum Weiterlesen auffordern. Fesselt der erste Absatz oder die erste Seite nicht, dann kann es schnell passieren, dass ein Buch überhaupt nicht gekauft wird oder der Leser es enttäuscht zur Seite legt.

Und so tippte Clara ein paar Wörter, nur um sie kurz darauf wieder zu löschen. So ging das Spiel ungefähr drei Stunden lang, bis sie entnervt aufgab. Heute würde das nichts mehr werden. Vielleicht ja morgen? Würde überhaupt jemand so etwas wirklich lesen wollen? 

Dieses Problem und die innerliche Unsicherheit kennt sicherlich jeder, der schon einmal eine Kurzgeschichte, Blogeintrag oder gar einen ganzen Roman schreiben wollte. Liest das überhaupt jemand, mögen die Leute meinen Stil oder bekomme ich gar Kritik? Ängste und Zweifel liegen in der Natur des Menschen. Solche Gefühle können wir nicht einfach abstellen und vermutlich kommt jeder in seinem Leben mehr als einmal an einen solchen Punkt. Diese Ängste und Sorgen sind ein wichtiges Warnsignal unseres Körpers und sollten grundsätzlich immer ernst genommen werden. Ängste spielen sich auf einer kognitiven, einer physischen und der Verhaltensebene ab. So führen beispielsweise Gedanken, dass man es sowieso nicht schafft dazu, dass man sich schlecht fühlt. Dies wiederum kann sich durchaus in körperlichen Reaktionen widerspiegeln und in einer Starre, einer Unfähigkeit weiterzumachen, enden. Auf der einen Seite sollte man immer schauen, wann diese Gefühle noch in einem normalen Rahmen liegen und wann sie vielleicht auch in einer Abwärtsspirale enden, aus der man alleine nicht mehr herauskommt. In letzterem Falle sollte durchaus ein ärztlicher Rat in Anspruch genommen werden. Auf der anderen Seite können Ängste aber auch zu erhöhter Aufmerksamkeit führen und uns zu Höchstleistungen anspornen. Ein gesundes Maß an Respekt und durchaus auch Ängsten gehört somit wohl zu einer Buchveröffentlichung dazu.

Die Frage ist letztendlich die, wie wir mit diesen Sorgen und Ängsten umgehen. Eine mögliche Lösung wäre, dass jeder sich selbst Lösungsstrategien bzw. einen Notfallplan überlegt, wie er in solchen Momenten gut mich sich selbst umgehen kann. Andere Menschen können wir nur bedingt beeinflussen und das was wir schreiben, wir niemals allen Menschen gefallen. Das ist nun mal einfach so. Geschmäcker sind eben verschieden. Aber wir können gut zu uns selbst sein und Selbstfürsorge betreiben. Beispielsweise können positive Mantras oder Entspannungsübungen helfen. Was für jeden individuell passend ist, das würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

Was hätte Clara nun anders machen können?

Zunächst einmal sollte das was man schreibt einem selbst gefallen. Demnach hilft es, wenn man einfach erstmal für sich selbst schreibt. Nur für das Publikum zu schreiben ist oft schwierig. Dieser Punkt sollte im besten Fall erst zu einem viel späteren Prozess des Schreibens bedacht und integriert werden (auch, wenn viele dies wahrscheinlich anders sehen).

Ansonsten hätte sie sich einen ganz konkreten Plan machen können, also den sogenannten Plot schreiben können. Dies beinhaltet die Szenenplanung und auch die Charakterplanung. So kann man bereits im Vorfeld überprüfen, ob die Geschichte rund ist, einen Spannungsbogen hat und weiß, was man in der jeweiligen Szene schreiben möchte. Auch kann man überprüfen, ob man sich mit der Geschichte wohl fühlt und man das auch wirklich schreiben möchte. Die Angst vor dem weißen Blatt kann dadurch deutlich reduziert werden, denn man hat ja einen Plan. 

Weiterhin sollte sich jeder Autor darüber bewusstwerden, dass der erste Entwurf des Textes niemals perfekt sein muss. Denn dafür gibt es hinterher im Idealfall mehrere Überarbeitungsrunden und ein gutes Lektorat. Demnach ist ein guter Hinweis, den ich selbst einst bekommen habe, den ersten Entwurf des Textes sehr zügig runter zu schreiben, ohne zu diesem Zeitpunkt auf die korrekte Wortwahl oder gar Grammatik zu achten. Das kann hinterher alles angepasst werden. Schließlich gilt: Einen vorhandenen Text kann man korrigieren. Wenn dort allerdings gar nichts steht, kann man auch nichts verbessern.

Und auch die Angst vor der Veröffentlichung und dass es vielleicht am Ende keiner lesen will, sollte man erstmal beiseiteschieben (ja, das ist schwer, ich weiß!). Wer einen Roman gut geplant und geplottet hat, beispielsweise mit der Heldenreise oder anderem Handwerkszeug, der hat zumindest das Fundament gelegt, um ein ansprechendes Buch zu schreiben. 

Und der letzte Tipp: Dein Buch wird nie allen Menschen gefallen, denn auch sehr erfolgreiche Bücher wie Harry Potter gefallen nicht jedem. Aber es gibt definitiv für jedes Buch eine Leserschaft! Bleib dir selbst treu und steh zu einhundert Prozent hinter deinem Projekt, dann hast du beste Grundlagen gelegt, um es gut zu verkaufen.

Zur Autorin:

Sarah Phoenix ist 33 Jahre jung und lebt im Ruhrgebiet. Tagsüber arbeitet sie oder lernt für ihr Studium und abends taucht sie in ihre Romanwelten im Bereich Fantasy und Thriller ab. Weiterhin schreibt sie Kurzgeschichten zu jedem Thema, welches sich nicht schnell genug vor ihr versteckt. Als fast fertig gebackene Psychologin weiß sie gekonnt mit Worten zu jonglieren und begeistert mit ihren Texten. In 2020 möchte sie ihren ersten Urban-Fantasy-Roman veröffentlichen. Dieser Prozess kann auf Instagram unter @mein_erster_roman verfolgt werden.

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