Kurzgeschichte #3 – Du findest ein Schmuckstück mit einer Gravur

Ich hatte den goldenen Ehering im Flughafen Fiumicino in Rom gefunden. Die geschwungene Gravur in der Innenseite war etwas schmutzig. Roma 14.02.1982 B&D. Auf der Innenseite war ein kleiner Fleck. Er lag einfach auf dem Absatz vor dem Spiegel der Damentoilette.

Ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte, ich war eigentlich nur zum Urlaub in Italien. Ich wollte mich erholen. Es war in letzter Zeit sehr viel bei mir los und ich wollte wieder etwas anderes als das Büro sehen. Bella Italia, statt grauer Wände. Das Übliche, wenn man überarbeitet ist. Ich verdiente ja nicht mein Geld, um es dann nicht zu benutzen.

Ich richtete meine hellblaue Bluse und bewegte mich in Richtung der Information. Ein netter Italiener, vielleicht 23 oder 24 Jahre alt, erklärte mir in relativ gutem Englisch, dass er mir helfen würde. Kurz danach kam eine kleine Durchsage, einmal auf Italienisch und einmal auf Englisch.

Ich wartete mindestens eine Viertelstunde, aber es kam niemand. Fabio, ich hatte seinen Namen in der Zwischenzeit gelernt, teilte mir mit einem Kopfschütteln mit, dass er mir nicht weiterhelfen könne. Ich dankte ihm trotzdem und steckte den Ring ein.

Eine ganze Stunde später war ich in meinem Hotel angekommen. Drei Sterne, nicht zu teuer und mitten in der Stadt. Ich hatte es mir nach sorgfältiger Überlegung und Nutzung vieler, vielleicht zu vieler, Vergleichsportale ausgesucht. Aber ich hatte leider keine Zeit es zu genießen: Ich hatte einen Ring, den ich zurückbringen musste.

Mein Taxi hielt vor einem Standesamt. Fabio hatte mir einen Gefallen getan und seine Freundin angerufen, die dort arbeitete. Das gelbliche Gebäude war etwas heruntergekommen, hatte aber einen gewissen Charme. Ihr Name war Chiara und sie war ein kleines Bällchen an purem Glück. Sie lächelte und lachte die ganze Zeit lang.

Ich fragte sie nach Hochzeiten an diesem Datum. Sie kam mit einem altem, sehr staubigem Ordner mit der Aufschrift Matrimoni 1982, legte ihn auf dem Pult auf und öffnete ihn. Ein paar Minuten später schüttelte sie ihre braunen Locken. Kein Glück, aber sie munterte mich auf. Rom hatte mehrere Standesämter. Sie rief eine ihrer Freundinnen in einem anderem Amt an und ich machte mich wieder auf den Weg.

Das war nur der Anfang einer sechsstündigen Jagd, die sich über 9 Standesämter erstreckte.

Jedes Mal das Gleiche: Die Hochzeit war nirgends vermerkt, zumindest keine bei der die Ehepartner diese Initialen hatten. Ich wollte nur noch einen kleinen Spaziergang machen, Abendessen und morgen den Ring bei der Polizei abgeben. In meinen Gedanken versunken, strich ich über die Innenseite des Ringes. Ich hing an dem Schmutzfleck weg und rubbelte ihn weg. Ein kleines Logo. Ein Viereck mit einem L in der Mitte. Ich blieb stehen. Vor mir war ein kleiner Schmuckladen und ich lief hinein.

Der ältere Herr sah das Logo an und lachte. Er sprach mich überraschenderweise auf Deutsch an. „Das ist von Juwelier Lombardi. Ich kann ihnen die Adresse geben, grüßen Sie Gianni von mir. Mein Name ist Rudolph.“ Ich bedankte mich bei ihm und machte mich auf den Weg.

Gianni, ein vielleicht sechzig Jahre alter Mann, schaute sich den Ring an und nickte. Er erzählte mir, dass er sich noch an den Ring erinnern konnte. Sein erster Verkauf. Er nahm sein Telefon, tippte Nummern ein und hielt es an sein Ohr. „Ciao Dana, ho il tuo annello.

Ende

WillSchreiben

*Der letzte Satz heißt übersetzt: „Hallo Dana, ich habe deinen Ring“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s