Bernd – Das Weihnachtshörnchen

Bernd mein Name, 21,5 Zentimeter groß, rot, ehemalig arbeitslos.

Ja, Eichhörnchen können arbeitslos sein. Das ist aber jetzt unwichtig. Letzten Oktober hatte mein Betrieb 12 gute, hart arbeitende Eichhörnchen feuern müssen.

Ich verbrachte meine Zeit in meiner Wohnung, ein etwas kleiner Baumstumpf, aber die Lage war ganz gut. Ich suchte Monate lang nach Arbeitsplätzen, hatte aber leider nicht einen Funken Glück.

Eines Abends, am 5. November um 19 Uhr, wollte ich meinen (ehemaligen) Mitarbeiter Kasimir besuchen gehen, sein Baum war immerhin nur 21 Minuten und 30 Sekunden von meinem Zuhause im Wald entfernt.

Als ich darüber nachdachte, dass ich meine Nussquote für heute schon erreicht hatte, 5 Haselnüsse, 10 Walnüsse und 15 Eicheln, wurde ich von einem plötzlichem Krachen unterbrochen. Ich drehte mich langsam, mit dem Gedanken einfach weglaufen zu können kämpfend, um und sah ihn.

Er war mit seinem rotem Schlitten in einen Baum, eine 22 Meter hohe Buche, reingekracht. Überall lagen Geschenke in verschiedensten Maßen, 10x10x10 Zentimeter, 15x10x8 Zentimeter und so weiter, rum. Ich kletterte zu ihm auf der Baumkrone hoch. Seine rote Kleidung und weißer Rauschebart wirkten etwas ungepflegt, wie als ob er noch nicht zur Ruhe gekommen wäre.

„Geht es Ihnen gut?“ Ich konnte jetzt keine Menschen behandeln, aber aus Höflichkeit hatte ich dennoch gefragt.

Er blinzelte mich durch seine Brillengläser, das linke hatte einen großen Riss, an und erhob seine tiefe Stimme. „Ja, mir geht es…“ Sein Blick verharrte über die wild verteilten Geschenke, „Oh.“

Er war mir etwas langsam. „Benötigen Sie Hilfe?“

„Das wäre sehr schön. Ich hatte gesagt, dass wir den Test des selbstfliegenden Schlittens auf nächstes Jahr schieben sollten. Aber nein…“ Seine Tirade über seine Mechaniker ging noch einige Minuten weiter. Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Arten gibt, jemanden einen Idioten zu nennen.

Schließlich beschloss ich mich dazu, ihn zu unterbrechen. „Ich ordne und kategorisiere schon mal die Geschenke.“ Ich kletterte hinunter und fing damit an.

Ich ordnete sie nach Größe, Farbe und Gewicht in einem mehr oder minder komplexen Muster an. Als ich am 42. und letzten Päckchen angekommen war hörte ich ein erstauntes „Ah!“ hinter mir.

Er war in der Zwischenzeit auf dem Boden angekommen und hatte seine Brille gerichtet, sein Schlitten war auch irgendwie auf dem Boden angekommen. Ich hatte nicht mitbekommen wie, ich war ja mit etwas wichtigerem Beschäftigt.

„Das hast du vorzüglich gemacht! Vorzüglich, sage ich!“ Sein Bauch hob und senkte sich drastisch, als er anfing zu lachen.

„Sie könnten mich ja anheuern.“ Ich meinte es eigentlich als eine ironische Witzelei.

Er kratzte kurz nachdenklich seinen Bart. „Das ist eine gute Idee! Eine wunderbare Idee!“ Es kam mir vor, als ob er sich eher selbst beglückwünschen würde.

Nachdem ich ihm meine Kontaktinformationen gab, verabschiedete er sich mit den Worten, dass ich bald von ihm hören werde. Ich dachte mir zuerst nichts dabei, aber ein paar Tage später erreichte mich ein Brief.

Bernd von Eichhorn, wir laden Sie herzlich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Bitte besuchen Sie uns bei der unten angegeben Adresse.

Ich war glücklich, tänzelte etwas in meiner Wohnung rum und suchte auf dem Papier nach der Adresse.

Nordpol

Ich schluckte, aber entschloss mich, es doch zu versuchen. Was hatte ich denn schon zu verlieren?

Aber wie ich zum Nordpol gekommen bin, ist eine ganz andere Geschichte.

Ende

Vielen Dank,

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Ein Gedanke zu “Bernd – Das Weihnachtshörnchen”

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